Das Brettspiel Liebe und Intrige gehört zu den Messe-Neuheiten der Spielemesse 2007. Entwickelt wurde es von zwei Mathematik-Studentinnen, Ellen Maria Ernst und Kira Verena Samol, für den Goldsieber-Verlag. Liebe und Intrige setzt nicht nur durch die Gestaltung vor allem auf ein weibliches Zielpublikum.
Das Spiel handelt in der Oberklasse Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Spiel müssen die zwei bis vier SpielerInnen versuchen, ihre jeweils drei Töchter mit mehr oder weniger betuchten Männern zu verheiraten. Das Spiel endet, wenn der erste Spieler seine dritte Tochter verheiratet hat. Gewonnen hat dann derjenige Spieler mit den meisten Siegpunkten - und das muss nicht der gleiche sein, der das Spiel beendet hat.
Spielprinzip
Zu Beginn bekommt jeder Spieler drei Töchter-Karten, von denen die erste aufgedeckt wird und die nun auf de Suche nach dem richtigen Heiratspartner geht. Jede Tochter
hat in den drei Feldern Ansehen, Schönheit und Bildung unterschiedliche Werte, nun kommt es darauf an diese Werte zu steigern und den passenden Mann zu finden. Insgesamt 14 verschiedene potentielle Bräutigame sind im Spiel, die unterschiedlich viele Siegpunkte bringen. So bringt ein Herr 12 Siegpunkte, der hat aber auch besonders hohe Ansprüche an die Werte der Tochter.
Auf dem Spielfeld befinden sich 6 Orte, in jeder Runde zieht nun ein Spieler seine Tochter auf einen dieser Orte. Auf 5 der Orte befinden sich verdeckte Stapel mit den Männer-Karten, der Spieler nimmt diesen auf, sucht sich einen passenden Kandidaten, legt diesen vor die Tochter und legt den restlichen Stapel zurück und füllt ihn auf. Sobald
drei Karten eines Mannes unter der Tochter ausliegen, kann geheiratet werden. Aber nur, wenn die Tochter die Ansprüche des Mannes erfüllt.
Neben den Männern hat jeder der Orte noch weitere Aktionen: Im Theater wird die Bildung gesteigert, auf dem Boulevard Bildung und Ansehen (dafür liegen hier aber nur zwei Männer-Karten aus), in der Spelunke gibt es 7 Männer-Karten, dafür drohen aber auch der Casanova (Abzug beim Ansehen) und eine Alkoholvergiftung (Abzug bei Bildung). Ob ein Abzug eintrifft, wird mit einem Würfel ausgewürfelt.
In der Schneiderei finden sich gar keine Männer, dafür gibt es aber gleich zwei Schönheitspunkte.
Man kann aber auch eine Intrige gegen die Tochter eines Mitspielers starten. Dann lässt man die Männer und die Aktionen des Ortes links liegen und würfelt den Intrigenwürfel. Gelingt die Intrige, kann man der gegnerischen Tochter einen Mann ausspannen und nimmt einen Mann aus ihrer Auslage zu sich, scheitert die Intrige, so darf sich die andere bei einem selbst bedienen.
Am Ende eines jeden Zuges nimmt man noch eine Aktionskarte, hier gibt es noch weitere Siegpunkte, Möglichkeiten die Werte der eigenen und der anderen Töchter zu verändern (sowohl positiv als auch negativ), oder sich vor negativen Auswirkungen schützen. Oder man kann ein Speed-Dating auf dem Ball machen oder die Zofe schon mal bestimmte
Orte abchecken lassen, bevor man die Tochter hinschickt.
Ist eine Tochter verheiratet, wird sie mit dem jeweiligen Bräutigam vermählt, zur Seite gestellt und die nächste Tochterkarte wird umgedreht und alles geht von vorne los.
Wenn ein Spieler mit der dritten Hochzeit das Spiel beendet, werden nochmal die Werte aller ausliegenden Töchter addiert - wer hier nun in den drei Kategorien die meisten Punkte hat, bekommt nochmal je Kategorie zwei Siegpunkte. Wer nun durch die Siegpunkte der verheirateten Männer, Siegpunkte durch Aktionskarten und der Schlusswertung die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel.
Spielmaterial
Das Spiel ist wirklich schön ausgestattet. Die Box ist anders als die üblichen viereckigen Boxen in der Form eines Buches (mit Rundrücken) gehalten, die obere Seite ist per Magnetverschluss verschlossen und gibt beim Öffnen den Blick auf den Inhalt preis. Ein Spielplan, 12 Töchterkarten, viele Karten (84 Herrenkarten, 46 Ereigniskarten), drei individuelle Würfel und eine Handvoll Holzteile (Tochterfiguren und Eigenschaftsmarker) sind dort zu finden. Auch hier ist die Materialauswahl von guter Qualität.
Fazit
Der Spielablauf von Liebe und Intrige ist mit der Zeit recht eintönig, da er sich ohne großen Spannungsbogen wiederholt. Die Tochter wandert von Ort zu Ort, sucht sich passende Männer, nimmt eine Ereigniskarte und ab und zu ärgert man sich gegenseitig mit einer Intrige oder fiesen Aktionskarten, ansonsten findet relativ wenig Interaktion zwischen den Spielern statt.
Für Strategie ist zuviel Glück im Spiel, den sowohl beim Würfeln als auch bei der Auswahl der Männer-Karten ist Glück ein ziemlich wichtiger Faktor. Man muss also jeweils für die aktuelle Tochter schauen, ob man sie nun schnell mit einem anspruchslosen Mann zusammenbringt oder auf einen anspruchsvollen Mann setzt, der entsprechend Siegpunkte bringt.
Wer also von diesem Spiel viel strategische oder taktische Raffinesse erwartet, wird enttäuscht. Aber es ist auch kein schlechtes Spiel - wie gesagt die Ausstattung ist top und man kann es locker nebenher spielen, ein durchschnittliches Spiel mit einer überdurchschnittlichen Aufmachung. Und hier ist vielleicht ein Problem: Die hübsche und aufwändige Gestaltung der Box weckt Erwartungen, die im Endeffekt nicht erfüllt werden. Und wer brettspielfaule Frauen zum Brettspiel bewegen will: Ich würde lieber ein Spiel mit interessanteren Mechanismen und mehr Interaktion nehmen. Auch das in Liebe und Intrige vermittelte und kritiklos übernommen Frauenbild des 18./19. Jahrhundertes (möglichst schnell an den Heiratsmarkt anpassen und dann heiraten) hinterlässt einen faden Beigeschmack.
Liebe & Intrige
von Ellen Maria Ernst und Kira Verena Samol
Grafik: Christian Fiore
Verlag: Goldsieber
Preis: ca. 20 Euro
Eure Meinung zum Spiel: [RATINGS]
Tags: Brettspiel, Rezensionen, Spielemesse 2007









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