Bericht: Eindrücke von der Spielemesse Essen 2007

Die Spielemesse Essen 2007 hat ihre Tore geschlossen. Die weltgrößte Publikumsmesse für Spiele wird von vielen Verlagen genutzt, um neue Spiele vorzustellen. So gab es auch in diesem Jahr wieder viele und gute Spiele, die bald auf den Markt kommen. Den Besucheransturm fand ich ein bisschen weniger groß als im letzten Jahr, vor allem am [...]

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Die Spielemesse Essen 2007 hat ihre Tore geschlossen. Die weltgrößte Publikumsmesse für Spiele wird von vielen Verlagen genutzt, um neue Spiele vorzustellen. So gab es auch in diesem Jahr wieder viele und gute Spiele, die bald auf den Markt kommen. Den Besucheransturm fand ich ein bisschen weniger groß als im letzten Jahr, vor allem am Donnerstag fand man (gerade auch bei den großen Verlagen) viele freie Spieltische. Von der Stimmung her war die Essener Messe wie immer toll.

Bei den Kollegen von FAIRPLAY konnten Besucher ihre Lieblingsneuheiten bewerten. Auf Platz 1 landete TRIBUN aus der Feder von Karl-Heinz Schmiel (der auch z.B. Attila und Die Macher entwickelte), ein Spiel, das ich vor der Messe gar nicht auf dem Schirm hatte und leider auch nicht auf der Messe spielen konnte. Die kompletten Ergebnisse der Spiele-Scout-Aktion gibt’s bei FAIRPLAY-Online.

Auf dem zweiten Platz landet Agricola (hier mehr Infos) vom Bohnanza-Macher Uwe Rosenberg.
Die bis zu fünf Spieler müssen in 14 Runden ihren mittelalterlichen Hof auf- und ausbauen. Ackerbau, Viehzucht und der Wohnungsbau bestimmt das karge Leben der zunächst zwei Hofbewohner. Jeder Runde kommt eine neue Aktionsmöglichkeit auf den Tisch, jeder Spieler kann jede Runde soviel Aktionen ausführen, wie er Menschen im Hof hat. So kann man Acker bauen, Häuser ausbauen, Rohstoffe oder Tiere kaufen, sich Ausbilden, Anschaffungen tätigen oder Nachwuchs in die Welt setzen.
Agricola Schachtel (c) Lookout Games Nach einigen Runden kommen dann in regelmäßigen Abständen noch Erntezeiten, in denen man die Felder ernten kann oder auch Tiere in bissfeste Nahrung verwandeln kann, denn die Bewohner eures Hofes wollen jetzt ernährt werden. Wer nicht genug Nahrung hat, muss betteln gehen und bekommt dafür Minuspunkte. Am Spielende zählen die Eigenschaften des Hofes Siegpunkte. Je nachdem wie gut der Hof ausgebaut ist, welchen Haustyp man hat oder wie viele Tiere bekommt man Punkte oder bekommt sogar Minuspunkte, falls bestimmte Bedingungen nicht erfüllt sind. Nach einer ersten Spielrunde kann ich das Spiel auch nur empfehlen, es macht Spaß, ist umfangreich ausgestattet und wird bestimmt noch mal häufiger auf den Spieltisch kommen.

Großer Andrang herrschte auch bei Eggert-Spiele. Diese brachten zwei neue Spiele mit zur Spielemesse, die vorab schon auf viel Interesse stießen: Cuba (hier mehr zum Spiel) und Hamburgum (hier mehr zum Spiel). Auch diese beiden Spiele scheinen die Vorschusslorbeeren zur Recht bekommen zu haben.

Es gibt jedes Jahr auch immer eine Häufung von bestimmen Spiele-Themen. Letztes Jahr gab es quasi eine Wikinger-Schwemme, dieses Jahr gab es bisher drei größere Spiele, die das historische China zum Vorbild haben. Da wären aus den bekannteren Verlagen Ming Dynastie (Hans im Glück) und Im Jahr des Drachen (ALEA). Auch diese beiden Spiele haben die Aufmerksamkeit verdient, die sie vor der Messe bekommen haben.

Chang ChengChang Cheng aus einem kleineren Verlag ist ein klassisches Mehrheitenspiel, wo die Spieler versuchen in den verschiedenen Provinzen die chinesische Mauer aufzubauen, wer hier die meisten (dreidimensionalen) Mauerstücke einsetzt bekommt Siegpunkte, kann aber auch unter Umständen in der Schlusswertung wieder welche verlieren, da am Spielende die Mongolen angestürmt kommen und je nach Mauer-Mehrheit für Minuspunkte sorgen. Mit sechs Aktionskarten, die man zunächste verdeckt in die Provinzen stellt, kann man noch Sachen beeinflussen, die Wertung der Provinz verändern, Mauern umstellen oder die Mongolen aus der Provinz entfernen. Insgesamt ein schönes Spiel mit einem sich während des Spiel erweiternden Spielbrett.

Ein anderer Trend der Messe waren Spiele, die sich ganz offen und direkt an eine weibliche Zielgruppe wenden. So wurde zum Beispiel mit Bella Sara ein neues Kartensammelspiel vorgestellt. Jetzt dürfen nicht nur die Jungs ihre Yu-Gi-Oh oder Pokemon-Karten sammeln, jetzt dürfen auch die Mädels ihre Pferde sammeln, quasi das Wendy-Heft unter den Sammelkarten-Spielen. Wobei Spiel da schon ein gewagtes Wort ist, diese Pferdekarten sind vor allem erstmal richtig kitschig, die Kartentexte erinnern an die Weisheiten aus chinesischen Glückskeksen (womit wir wieder bei China wären) und die Spielmöglichkeiten, die die Karten bieten, werden von jeder Mau-Mau-Partie um Lichtjahre überboten.

Liebe und IntrigieKommen wir zurück zu “richtigen” Spielen. Liebe und Intrigie ist jetzt also ein Brettspiel, dass die weibliche Zielgruppe anspricht, oder besser ansprechen soll. Die Spieleschachtel, ein rosa Buch, macht einen wertigen Eindruck, im Spiel selbst müssen die Spieler ihre Töchter unter die Haube bringen. Dabei besuchen diese bestimmte Orte auf dem Spielfeld, bei denen sie nicht nur Bekanntschaft mit potentiellen Ehemänner machen können, sondern auch ihre Eigenschaftswerte aufmotzen können, denn jeder Mann bringt unterschiedlich viele Siegpunkte und die mit den hohen Werten wollen auch “hochwertige” Gegenstücke. Natürlich kann man noch gegen die MitspielerInnen intrigieren und diesen die Männer ausspannen oder mit Aktionskarten Einfluß auf das Spielgeschehen nehmen. Es wird noch eine ausführliche Rezension zu diesem Spiel geben, es hört sich nett an, bedient aber auch sehr stark bestehende Klischees. Wir werden sehen.

Zum Abschluss noch ein Quiz-Spiel. Zugegeben, Quiz-Spiele sind nicht so unbedingt mein Ding. Okay, an Star Wars Trivial Pursuit Bezzerwizzerhatte ich meinen Spaß, weil ich endlich mein ganzes, unnützes Star Wars-Wissen endlich doch mal gebrauchen konnte (wie heißt die Zellennummer von Prinzessin Leia auf dem Todesstern? Na, wer weiß es?). Aber meist sind die ziemlich langweilig, der eine beantwortet Fragen, die anderen warten bis sie ihre Fragen beantworten, gähn.

Mit Bezzerwizzer kommt jetzt ein neues Quiz-Spiel auf den Markt, das doch ein wenig mehr bietet: Interaktion und weniger Glückselemente. Am Anfang jeder Runde zieht jeder Spieler vier Fragengebiete aus einem Sack und darf die auf einer Skala von 1 bis 4 vor sich anordnen, wobei die Skala für die Anzahl Schritte steht, die man auf dem Spielfeld zum Sieg vorrücken darf. Also kann man sich die Gebiete, wo man schwach ist, nach vorne legen und die guten nach hinten zu den hohen Punktzahlen. Dann spielt man reihum, Frage beantworten, vorziehen oder auch nicht, je nach Antwort. Jetzt kommt das “Interaktive”: Jeder Spieler hat auch noch zwei Bezzerwizzer-Steine und einen ZWAP-Stein. Mit dem Bezzerwizzer-Stein kann man einen Spieler herausfordern und dessen Punkte kassieren, wenn der nichts weiß, mit dem ZWAP-Stein darf man zwei Wissensgebietssteine untereinander tauschen. Okay, nicht soo die Auswahl, aber immerhin bleiben so alle Spieler im Spiel und langweilen sich nicht, wenn gerade wie bei Trivial Pursuit ein Streber einen Lauf hat. Die zum Teil recht aktuellen Fragen sind gemischt zwischen schwierig und leicht, ist daher auch eher für Leute ab 16 gedacht. Für ein Quiz-Spiel ist es kein schlechtes Spiel, vom Spielprinzip her auf jeden Fall besser als das bekannte Trivial Pursuit, aber die 50 Euro Preisempfehlung finde ich dann doch ganz schön happig (aber für solche “Premium”-Quiz-Spiel auch nicht unüblich).

Ich würde das Geld wahrscheinlich eher in andere Spiele anlegen, hier gibt es ja auch einige Anregungen. Und weil so ein Bericht nie ganz vollständig sein kann, empfehle ich zum Schluss nochmal die Spielbox, die eine Sammlung von Nachberichten auf ihrer Webseite hat.

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